Figuren aus Holz

Familienbasierte Behandlung für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen

Pilotstudie "Family-Based Treatment (FBT)"
Bei FBT stellen die Eltern die entscheidende Ressource dar, um ihr Kind aktiv bei der Bewältigung der Erkrankung zu unterstützen.

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Family-Based Treatment (FBT): "Den Eltern dabei helfen, Ihren Kindern zu helfen"

In Deutschland ist es üblich, bei starkem Gewichtsverlust oder ausgeprägtem Untergewicht einen langen, stationären Klinikaufenthalt in die Wege zu leiten und danach ambulant weiterzubehandeln. Erkrankungsbedingt fällt es den Betroffenen oft schwer, sich auf die Therapie einzulassen. Die Eltern werden üblicherweise wenig einbezogen, so dass die Eltern nur unzureichend darauf vorbereitet sind, ihr Kind zuhause beim Gesundwerden zu unterstützen. Ein wirksamer und international sehr gut untersuchter Therapieansatz, der in England und den USA speziell für Kinder und Jugendliche mit Magersucht entwickelt wurde, baut vor allem auf das enge Einbeziehen der Eltern in die Therapie gleich von Anfang an, indem diese von einem/einer speziell geschulten FBT-Therapeuten/in Unterstützung bekommen.

Wer sind die Betroffenen und was wissen wir über die Krankheitsursachen von Essstörungen?

Essstörungen beginnen in der Regel im Jugendalter und betreffen überwiegend Mädchen. Neue, wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass biologische Faktoren, z.B. die Genetik und Stoffwechselprozesse, eine Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Krankheit spielen. Auch der Druck in westlichen Gesellschaften, dünn zu sein, sowie Diäthalten können eine Magersucht begünstigen. Wahrscheinlich trifft ein komplexes, „bio-psychosoziales“ Krankheitsmodell zu, bei dem unterschiedliche Mechanismen in der Entstehung der Magersucht ineinandergreifen. Für die Eltern, die über lange Zeit mitansehen müssen, wie ihr Kind nicht isst und trotz all ihrer Bemühungen weiter an Gewicht verliert und kränker wird, ist dies eine extrem belastende Situation. Diesen Familien wollen wir gerne helfen.

Wie verläuft die Erkrankung?

Essstörungen können in ganz unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Während manche  Betroffene auch ohne therapeutische Hilfe den Weg aus der Essstörung finden, ist bei anderen  PatientInnen die Erkrankung so stark ausgeprägt, dass sie mit einem hohem Chronifizierungsrisiko, schweren körperlichen, schulischen und sozialen Einschränkungen, sowie erhöhter Suizidalität und Sterblichkeit verbunden ist. Auch wenn letztlich etwa 70% der betroffenen Jugendlichen wieder vollständig gesund werden können, sind für eine zu hohe Zahl der Patientinnen die  Behandlungserfolge derzeit leider noch unbefriedigend, mit häufig langen Krankheitsphasen und Rückfällen. Klar ist: je früher eine professionelle und auf Essstörungen spezialisierte Behandlung erfolgt, desto besser sind die Aussichten auf eine langfristige körperliche und emotionale Gesundung. Wir wollen in unserer Klinik die Behandlungsoptionen für schwer erkrankte Kinder und Jugendliche um eine in anderen Ländern sehr wirksam eingesetzte Therapieoption erweitern.

FBT ist ein ambulantes Behandlungsprogramm, welches in drei Phasen zur Anwendung kommt

  • In Phase 1 werden vorrangig die Eltern durch den/die Familientherapeuten/in unterstützt, sodass ihr Kind die Gewichtsnormalisierung zu Hause vollziehen kann.
  • In Phase 2 erhält das Kind oder die Jugendliche die Verantwortung für das Essen Schritt für Schritt zurück.
  • In Phase 3 werden individuelle Themen der Jugendlichen besprochen, welche die altersgemäße und teilweise durch die Krankheit verzögerte Entwicklung betreffen.

FBT – in angelsächsischen Ländern fest als wirksamste Behandlungsform verankert

In angelsächsischen Ländern (USA, England, Australien, Neuseeland) ist die Familientherapie in den Leitlinien als wirksamste Behandlungsform für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen fest verankert. Studien in diesen Ländern haben gezeigt, dass FBT dazu beiträgt, die Klinikaufenthalte zu verkürzen, und die  hohe Rückfallquote zu senken. Eine überwiegend ambulante Therapie hat zudem den Vorteil, dass die Jugendlichen sich altersgerecht in ihrem gewohnten, familiären und sozialen Umfeld entwickeln kann, statt aus ihren Alltagsbezügen herausgerissen zu werden. Bislang ist FBT jedoch in Deutschland nicht etabliert.

Internationale Kooeprationspartner: Prof. Daniel Le Grange und Dr. Roslyn Hopf

Prof. Daniel Le Grange

Eating Disorders Program, Department of Psychiatry, UCSF Weill Institute for Neurosciences, University of California, San Francisco, U.S.A

“Während meiner Ausbildung habe ich in England und den USA gelebt, dort liegt sowohl bei der Patientenversorgung als auch in der Forschung der Fokus auf der familienbasierten Behandlung für junge Patienten mit Essstörungen. In den letzten Jahren habe ich mit vielen Teams weltweit zusammengearbeitet. Als die Kollegen von der Berliner Charité Kontakt mit mir aufgenommen haben mit der Idee, eine Studie zu FBT in Deutschland durchzuführen, war ich sofort begeistert. Denn bislang wurde die Wirksamkeit von FBT noch nicht in einem zentraleuropäischen Land wissenschaftlich untersucht und belegt. Das ist ein wichtiger Schritt, bei dem ich das Berliner Team überaus gerne unterstütze!"
 

Roslyn Hopf

Psychotherapeutische Privatpraxis, Königstein im Taunus, Deutschland

„Ich wurde als amerikanische FBT-Therapeutin von Herrn Prof. Le Grange an der Universität Chicago ausgebildet und bin seit mehr als 10 Jahren als niedergelassene Psychotherapeutin in Deutschland tätig. Soweit ich weiß, bin ich derzeit die einzige deutsch-sprachige Person, die in FBT zertifiziert ist und diese Therapie anbietet. Ich freue mich sehr, dass die Charité in Berlin dieses Forschungsprojekt plant, und es bald mehr deutsch-sprachige FBT-Therapeuten geben wird. Das wird langfristig dazu führen, dass mehr deutsche Familien, deren Kinder eine Essstörung haben, eine alternative Behandlungsmethode in Betracht ziehen können.”

Projektziel

Wir möchten FBT erstmalig in einem klinischen Forschungsprojekt 15 Berliner Familien anbieten und herausfinden, wie diese international etablierte Therapieform in Deutschland angenommen wird. Dabei vergleichen wir den langfristigen Gewichtsverlauf und weitere Essstörungssymptome sowie Behandlungszufriedenheit und -kosten mit dem derzeitigen deutschen Behandlungsstandard. Durch das Projekt erhoffen wir uns eine signifikante Erweiterung und Verbesserung der Therapieoptionen und -erfolge für unsere jungen Patient*innen mit Magersucht.

Der erste Schritt ist getan, und die Weichen sind in der Theorie gestellt. Um unsere Ideen nun auch in die Praxis umsetzen zu können, sollen für die Pilotstudie fünf erfahrene Therapeuten/innen eine spezielle FBT-Ausbildung durch Prof. Daniel Le Grange erhalten. Prof. Le Grange ist ein renommierter, US-amerikanischen Wissenschaftler, der maßgeblich an der Entwicklung von FBT beteiligt ist. Wir schätzen uns glücklich, dass wir ihn als FBT-Trainer und wissenschaftlichen Kooperationspartner gewinnen konnten.

     

Helfen Sie mit Ihrer Spende, FBT als vielversprechende Therapieform für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen in Deutschland zu etablieren

Um in Deutschland eine neue Therapieform zu etablieren, ist noch viel Arbeit erforderlich. FBT ist noch nicht im deutschen Gesundheitssystem evaluiert, die Behandlungskosten werden daher nicht regelhaft von den Krankenkassen vergütet. Deshalb sind wir auf der Suche nach Sponsoren, mit denen wir unser ambitioniertes Projekt gemeinsam auf den Weg bringen können.

Um die Kosten der Pilotstudie, die in eine für Krankenkassenvergütung relevante Studie münden kann, zu decken, benötigen wir derzeit noch insgesamt 105.000 Euro.

Wir freuen uns über jeden Spendenbetrag!

Das kann Ihre Spende bewirken:

  • Mit 200 Euro finanzieren Sie eine von 25 erforderlichen Supervisionsstunden eines FBT-Forschungstherapeuten.
  • Mit 5000 Euro finanzieren Sie die gesamte Ausbildung eines FBT-Forschungstherapeuten.

Wünschen Sie eine Spendenquittung? Dann geben Sie bitte neben dem Verwendungszweck "FBT" Ihren Namen und Ihre Adresse an.

Aktueller Spendenstand: 100.124 Euro   –>   Spendenziel: 150.000 Euro

Ihr Einsatz für Gesundheit – Spendenkonto

Überweisungsträger

Spenden Sie bitte auf unser zentrales Spendenkonto beim Berliner Förderverein für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e.V. unter Angabe des Zwecks:

Berliner Förderverein für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e.V.
Bank:
Postbank Berlin
IBAN: DE75 1001 0010 0010 4491 09
BIC: PBNKDEFF
Verwendungszweck: FBT

Wünschen Sie eine Spendenquittung? Dann geben Sie bitte neben dem Verwendungszweck "FBT" Ihren Namen und Ihre Adresse auf Ihrem Überweisungsträger an, dann bekommen Sie von uns nach Eingang Ihrer Spende eine Zuwendungsbestätigung per Post zugesandt. Kontaktieren Sie uns, falls Sie versehentlich Ihre Adresse nicht angegeben haben oder nachträglich eine Spendenbescheinigung wünschen. Bitte melden Sie sich auch, wenn Sie mehr als zwölf Wochen nach Ihrer Spende noch keine Bescheinigung erhalten haben.

Projektleitung

Prof. Dr. med. Christoph U. Correll

Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Herr Prof. Dr. med. Christoph U. Correll
Foto: Wiebke Peitz
Dr. oec. troph. Verena Haas

Ernährungswissenschaftlerin/Ernährungstherapeutin

Dr. Dipl. oec. troph. Verena Haas

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