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Wenn Sie sich für das FBT-Programm interessieren, finden Sie weitere Informationen in der Rubrik "FBT an der Charité

Krankheitsursachen und Krankheitsverlauf

Essstörungen beginnen in der Regel im Jugendalter und betreffen überwiegend Mädchen. Neue, wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass biologische Faktoren, z.B. die Genetik und Stoffwechselprozesse, eine Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Krankheit spielen. Auch der Druck in westlichen Gesellschaften, dünn zu sein, sowie Diäthalten können eine Magersucht begünstigen. Ebenfalls sind bestimmte Persönlichkeitsmerkmale bekannt, die die Betroffenen häufig aufweisen, z.B. Ängstlichkeit, Perfektionismus und ein geringes Selbstwertgefühl. Wahrscheinlich trifft ein komplexes, „bio-psychosoziales“ Krankheitsmodell zu, bei dem unterschiedliche Mechanismen in der Entstehung der Magersucht ineinandergreifen. Die betroffenen Kinder und Jugendliche leiden an den mit der Anorexie zusammenhängenden Gedanken, der Fixierung auf das Essen und das eigenen Körpergewicht, dem z.T. hohen Bewegungsdrang und den oft belastenden psychosozialen Auswirkungen der Erkrankung und sind häufig körperlich gefährdet. Für die Eltern, die über lange Zeit mitansehen müssen, wie ihr Kind nicht isst und trotz all ihrer Bemühungen weiter an Gewicht verliert und kränker wird, ist dies ebenfalls eine extrem belastende Situation. Diesen Familien wollen wir gerne helfen.

Essstörungen können in ganz unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Während manche Betroffene auch ohne therapeutische Hilfe den Weg aus der Essstörung finden, ist bei anderen PatientInnen die Erkrankung so stark ausgeprägt, dass sie mit einem hohem Chronifizierungsrisiko, schweren körperlichen, schulischen und sozialen Einschränkungen, sowie erhöhter Suizidalität und Sterblichkeit verbunden ist. Auch wenn letztlich etwa 70% der betroffenen Jugendlichen wieder vollständig gesund werden können, sind für eine zu hohe Zahl der Patientinnen die Behandlungserfolge derzeit leider noch unbefriedigend, mit häufig langen Krankheitsphasen und Rückfällen. Klar ist: je früher eine professionelle und auf Essstörungen spezialisierte Behandlung erfolgt, desto besser sind die Aussichten auf eine langfristige körperliche und emotionale Gesundung. Mit der Einführung von FBT wollen wir in unserer Klinik die Behandlungsoptionen für schwer erkrankte Kinder und Jugendliche um eine in anderen Ländern sehr wirksam eingesetzte Therapieoption erweitern.

Wirksamkeit von FBT

In Deutschland ist es üblich, bei starkem Gewichtsverlust oder ausgeprägtem Untergewicht einen, stationären Klinikaufenthalt in die Wege zu leiten. Erkrankungsbedingt fällt es den Betroffenen oft schwer, sich auf die Therapie einzulassen. In den deutschen S3-Leitlinien wird empfohlen, bei Minderjährigen Patient:innen mit Essstörungen die Eltern in die Behandlung einzubeziehen. FBT ist ein wirksamer und international sehr gut untersuchter Therapieansatz, der in England und den USA speziell für Kinder und Jugendliche mit Magersucht entwickelt wurde. FBT baut vor allem auf das enge Einbeziehen der Eltern in die Therapie gleich von Anfang an, indem diese von speziell geschulten FBT-Therapeut:innen Unterstützung bekommen.

In den Behandlungsleitlinien der angelsächsischen Länder (USA, Kanada, England, Australien und Neuseeland) ist FBT als evidenzbasierte und wirksame Therapieform fest verankert. Studien in diesen Ländern haben gezeigt, dass FBT dazu beiträgt, die Dauer der Klinikaufenthalte zu verkürzen und die Rückfallquote zu senken. Eine überwiegend ambulante Therapie hat zudem den Vorteil, dass die Jugendlichen sich altersgerecht in ihrem gewohnten, familiären und sozialen Umfeld entwickeln kann, statt aus ihren Alltagsbezügen herausgerissen zu werden. Daten aus anderen Ländern können jedoch nicht einfach auf das deutsche Gesundheitssystem übertragen werden. In Deutschland ist FBT in den S3-Leitlininen als wirksames Verfahren aufgelistet, jedoch noch nicht als Richtlinienverfahren, sodass FBT nicht regelhaft von den Krankenkassen bezahlt wird. Zusätzlich gibt es viel zu wenig ausgebildete FBT Therapeut:innen in Deutschland. Dies wollen wir beides mit unserem Pilotprojekt an der Charité ändern.

Unsere ersten, eigenen Studien bestärken uns, diesen Weg zu beschreiten:

● Ein literaturbasierter Vergleich internationaler Studien weist darauf hin, dass FBT für viele Jugendliche eine gute Alternative zur stationären Therapie sein könnte

● Eine indirekt vergleichende Analyse naturalistischer Behandlungsdaten aus den USA und Deutschland lässt vermuten, dass bei einer Untergruppe von Patient:innen mit AN, die in Deutschland stationär behandelt werden,  mit FBT ähnliche Genesungsfortschritte erreicht werden können, allerdings mit erheblich weniger Tagen im Krankenhaus

● In unserer Berliner FBT-Pilotstudie haben wir 31 Familien FBT anstatt einer stationären Therapie angeboten. Das Forschungsprojekt liefert vielversprechende Ergebnisse, die wir derzeit auswerten und hier zugänglich machen werden, sobald die Daten publiziert sind.

FBT an der Charité

FBT an der Charité: unser Pilotprojekt

Mit der Unterstützung des Berlin Institute of Health (BIH) sowie „Ein Herz für Kinder“ / Bild hilf e.V. konnten wir in den letzten 3 Jahren den wichtigen Grundstein für die Einführung von FBT in Deutschland legen. Für die Pilotstudie haben mittlerweile 15 Therapeuten:innen unserer Abteilung eine spezielle FBT-Ausbildung durch Prof. Daniel Le Grange erhalten. Prof. Le Grange ist ein renommierter Wissenschaftler in den USA, der maßgeblich an der Entwicklung von FBT beteiligt ist. Derzeit planen wir eine große, mulizentrische Studie, um die Ergebnisse der Pilotstudie mit größerer Fallzahl gemeinsam mit weiteren Zentren in ganz Deutschland zu replizieren.

Bevor FBT als Regeltherapie auch in Deutschland anerkannt und von den Krankenkassen erstattet werden kann, braucht es die Ergebnisse der großen, geplanten randomisierten Studie, deren finanzielle Unterstützung und positive Ergebnisse sowie erfolgreiche Verhandlungen mit Krankenkassen, etc. Das wird leider noch viele Jahre dauern, auch wenn wir sehr konzentriert auf dieses Ziel hinarbeiten. Aus diesem Grund, bauen wir derzeit ein FBT-Programm für Selbstzahler in unserer Essstörungsambulanz auf, um FBT schon jetzt weiteren Familien anbieten zu können.

In diesem Programm können wir einige (wenige) Plätze an Familien vergeben, die FBT in Form einer IGeL-Leistung für Selbstzahler erhalten. Wenn Sie an diesem Programm interessiert sind und

  • in Berlin oder in Fahrtnähe von Berlin wohnen (in Phase 1 finden 1-2 Präsenztermine wöchentlich statt)
  • sich Ihre Tochter derzeit nicht in stationärer Behandlung befindet, aber die Kriterien für eine stationäre Behandlung der Anorexia nervosa aufgrund des Schweregrads der Erkrankung erfüllt senden Sie bitte den ausgefüllten Screening-Bogen an Piet Adler

Sofern die grundsätzlichen Voraussetzungen zur Teilnahme am FBT-Programm erfüllt sind, erhalten Sie von uns weitere Informationen zur aktuellen Verfügbarkeit, Ablauf, Inhalten und Kosten der FBT.

FBT kommt als ambulante Therapie in 3 Phasen zur Anwendung:

  • In Phase 1 werden vorrangig die Eltern durch den/die Familientherapeuten/in unterstützt, sodass die Betroffenen die Gewichtsnormalisierung zu Hause vollziehen können
  • In Phase 2 erhält das Kind oder die/der Jugendliche die Verantwortung für das Essen Schritt für Schritt zurück
  • In Phase 3 werden individuelle Themen der Jugendlichen besprochen, welche die altersgemäße und teilweise durch die Krankheit verzögerte Entwicklung betreffen

FBT ist ein Teamansatz, in dem neben den behandelnden Psychotherapeut:innen auch Mediziner:innen und Ernährungsberater:innen die Behandlung begleiten. Damit die Sicherheit der schwer untergewichtigen Betroffenen zu Hause gewährleistet ist, findet ein regelmäßiges, medizinisches Monitoring statt, in dem die medizinische Stabilität überwacht wird.

Das Berliner FBT-Team und internationale Kooperationspartner

Das Berliner FBT-Team

Programleitung: Dr. Verena Haas

Klinikdirektor und Schirmherr: Prof. Christoph Correll

FBT-Trainerinnen: Sabine Bojanowski, Elisabeth Neumeier, Martina Pech, Claudia Thurn

FBT-Therapeut:innen: Caroline Di Maria, Clara Ernst, Laura Herbrich, Gergana Karaboychewa, Philine Köln, Chae-Young Lee, Kathleen Riegler, Malin Scheurer, Sandra Schlegl, Oksana Thomanek, Alexandra Zangl, Christian Zimmermann.  

Projektkoordination: Vivien Kaiser, Piet Adler,

Internationale Kooperationspartner:

Prof. Daniel Le Grange

Eating Disorders Program, Department of Psychiatry, UCSF Weill Institute for Neurosciences, University of California, San Francisco, U.S.A

“Während meiner Ausbildung habe ich in England und den USA gelebt, dort liegt sowohl bei der Patientenversorgung als auch in der Forschung der Fokus auf der familienbasierten Behandlung für junge Patienten mit Essstörungen. In den letzten Jahren habe ich mit vielen Teams weltweit zusammengearbeitet. Als die Kollegen von der Berliner Charité Kontakt mit mir aufgenommen haben mit der Idee, eine Studie zu FBT in Deutschland durchzuführen, war ich sofort begeistert. Denn bislang wurde die Wirksamkeit von FBT noch nicht in einem zentraleuropäischen Land wissenschaftlich untersucht und belegt. Das ist ein wichtiger Schritt, bei dem ich das Berliner Team überaus gerne unterstütze!"
 

Dr. Roslyn Hopf

Psychotherapeutische Privatpraxis, Königstein im Taunus, Deutschland

„Ich wurde als amerikanische FBT-Therapeutin von Herrn Prof. Le Grange an der Universität Chicago ausgebildet und bin seit mehr als 10 Jahren als niedergelassene Psychotherapeutin in Deutschland tätig. Soweit ich weiß, bin ich derzeit die einzige deutsch-sprachige Person, die in FBT zertifiziert ist und diese Therapie anbietet. Ich freue mich sehr, dass die Charité in Berlin dieses Forschungsprojekt plant, und es bald mehr deutsch-sprachige FBT-Therapeuten geben wird. Das wird langfristig dazu führen, dass mehr deutsche Familien, deren Kinder eine Essstörung haben, eine alternative Behandlungsmethode in Betracht ziehen können.”

Helfen Sie mit Ihrer Spende, FBT als vielversprechende Therapieform für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen in Deutschland zu etablieren

Um in Deutschland eine neue Therapieform zu etablieren, ist noch viel Arbeit erforderlich. FBT ist noch nicht im deutschen Gesundheitssystem evaluiert, die Behandlungskosten werden daher nicht regelhaft von den Krankenkassen vergütet. Deshalb sind wir auf der Suche nach Sponsoren, mit denen wir unser ambitioniertes Projekt gemeinsam auf den Weg bringen können.

Wir freuen uns über jeden Spendenbetrag!

Das kann Ihre Spende bewirken:

  • Aufbau einer Internetplattform als Grundstein für die Durchführung von Tele-FBT
  • Ausbildung zusätzlicher FBT-Therapeut:innen
  • Weitere Forschung zu FBT

Wünschen Sie eine Spendenquittung? Dann geben Sie bitte neben dem Verwendungszweck "FBT" Ihren Namen und Ihre Adresse an.

Aktueller Spendenstand: 190.000 Euro   =>   Spendenziel: 400.000 Euro

Überweisungsträger

Spenden Sie bitte auf unser zentrales Spendenkonto beim Berliner Förderverein für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e.V. unter Angabe des Zwecks:

Berliner Förderverein für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e.V.
Bank:
Postbank Berlin
IBAN: DE75 1001 0010 0010 4491 09
BIC: PBNKDEFF
Verwendungszweck: FBT

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