Früherkennungs- und Therapiezentrum für Kinder und Jugendliche mit beginnenden Psychosen und bipolaren Störungen

Das FeTZ for You(th), angebunden an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité-Universitätsmedizin Berlin, bietet Unterstützung bei der Früherkennung von Psychosen und bipolaren Störungen.

 

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Früherkennung von Psychosen und bipolaren Störungen

Was ist eine Psychose?

Psychosen sind psychische Erkrankungen, bei denen Denken, Fühlen, Sprache, Wahrnehmung, Emotionen, Verhalten und soziale Kontaktaufnahme verändert sind. Kennzeichnend ist eine veränderte Wahrnehmung der Realität. Betroffene können zum Beispiel Stimmen hören oder sich beobachtet fühlen. Dabei muss eine Psychose nicht zwangsläufig als etwas Negatives erlebt werden. Die Betroffenen nehmen ihre Umwelt anders wahr, verarbeiten sie anders, begreifen sie anders als gesunde Menschen. Jeder Mensch kann eine Psychose entwickeln. Am häufigsten passiert dies zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr, wobei der zeitliche Verlauf einer Psychose sehr unterschiedlich sein kann. Oft liegen gleichzeitig Cannabis- oder anderer Drogenmissbrauch vor.

Was ist eine bipolare Störung?

Betroffene mit einer bipolaren Störung, auch manisch-depressive Erkrankung genannt, haben Stimmungsschwankungen über das normale Maß hinaus. Sie leiden häufig unter abwechselnden Phasen mit gedrückter (depressiver) und gehobener oder gereizter (manischer) Stimmung. Die Stimmungsschwankungen treten oft unabhängig von äußeren Lebensumständen auf und führen bei den Betroffenen selbst und den Menschen in ihrer Umgebung zu Belastung. Menschen mit einer bipolaren Störung können während einer starken depressiven oder manischen Phase auch zusätzlich Zeichen einer Psychose aufweisen. Bipolare Störungen beginnen in etwa zwei Dritteln der Fälle im Kindes- und (überwiegend) im Jugendalter.

Anzeichen einer beginnenden Psychose oder bipolaren Störung

Bereits lange vor einer akuten Psychose oder bipolaren Erkrankung können erste Frühsymptome auftreten. Menschen, die unter solchen Frühsymptomen leiden, stehen unter einem erhöhten Risiko, eine Psychose oder bipolare Erkrankung zu entwickeln. Ziel der Früherkennung ist es, diese Frühsymptome zu erkennen und den Betroffenen eine schützende Behandlung anzubieten.
Die häufigen symptomatischen Überschneidungen mit anderen Diagnosen erschweren die Früherkennung bei Kindern und Jugendlichen. Auch werden die ersten Anzeichen oftmals der Pubertät, Drogenmissbrauch, übermäßiger Trägheit, Arroganz oder mangelnder Konzentration zugeschrieben. Gerade wenn jemand in der Familie erkrankt ist, kann das bei Eltern besondere Angst um ihre Kinder auslösen.

Häufige Frühsymptome einer Psychose sind:

  • Gefühle von sozialer Unsicherheit
  • Rückzug von Freunden und Familie
  • Schlafstörungen
  • Antriebsstörungen
  • Anspannung
  • innere Unruhe
  • Konzentrationsstörungen
  • erhöhtes Misstrauen
  • Reizbarkeit
  • Gefühle von Unwirklichkeit ("alles wie im Film")
  • das Gefühl, bedroht, beobachtet oder verfolgt zu werden
  • das Gefühl, etwas stimmt nicht
  • Tendenz, belanglose und zufällige Gegebenheiten auf sich zu beziehen
  • ungewöhnliche Wahrnehmungserlebnisse, wie zum Beispiel Hören von Geräuschen oder von Stimmen im eigenen Kopf, oder Sehen von Schatten, Objekten oder Menschen
  • eigentümliche Vorstellungen oder magisches Denken
  • eigenartige Denk- und Sprechweise

 

Häufige Frühsymptome einer bipolaren Erkrankung sind: 

  • intensives Hochgefühl oder Gereiztheit ohne passenden Anlass
  • überhöhtes Gefühl, etwas Besonderes und Einzigartiges zu sein
  • vermindertes Schlafbedürfnis mit hoher Aktivität
  • vermehrter Redefluss 

oder aber 

  • gedrückte Stimmung
  • Niedergeschlagenheit
  • Interessen- und Freudverlust
  • Antriebslosigkeit
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Gefühle der Wertlosigkeit
  • Neigung zum ständigen Grübeln
  • verminderte Stresstoleranz

Angebot

Die Hilfesuchenden erhalten bei uns eine psychologische und psychiatrische Diagnostik sowie ggf. eine körperliche Untersuchung. Entwicklungsspezifische Besonderheiten in Abhängigkeit von Alter und Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen sowie Elternbeobachtungen finden dabei in besonderem Maße Berücksichtigung. Wichtig ist, symptombedingte Verunsicherungen zu beruhigen sowie Ressourcen der Betroffenen zu erkennen und aufzubauen. Nach einer psychologischen und psychiatrischen Beratung der Betroffenen und ihrer Familien kann eine spezifische, bedürfnisorientierte Behandlung eingeleitet werden. Diese kann sowohl Psychotherapie, psychosoziale Maßnahmen als auch eine medikamentöse Therapie beinhalten. Eine langfristige Anbindung an unsere Ambulanz bis zum 21. Lebensjahr ist bei Bedarf in Rücksprache mit den Krankenkassen möglich. 

Kontakt und Ansprechpartner

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist bei Erstkontakt das Früherkennungszentrum am Campus Virchow Klinikum (FeTZ for You(th)) Ihr Ansprechpartner. Für Erwachsene (ab 18 Jahren) ist das Früherkennungszentrum am Charité Campus Mitte (FeTZ) zuständig. 

Sie können telefonisch über die Anmeldung des sozialpädiatrischen Zentrums, Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie, einen Termin vereinbaren.

Tel.: 030 – 450 566 229

Mo. – Mi. 8:00 – 18:00 Uhr, Do. – Fr. 8:00 – 15:00 Uhr

Alternativ können Sie uns per Mail kontaktieren. Wir melden uns zeitnah zurück.

Route / Geländeplan

Weitere Zentren in Berlin

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Tel.: 030 – 130 10

Sprechstundenleitung

Prof. Dr. med. Christoph U. Correll

Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Herr Prof. Dr. med. Christoph U. Correll
Foto: Wiebke Peitz